Interreligiöser Runder Tisch in Stuttgart




 

Interreligiöser Runder Tisch in Stuttgart

Dienstag, dem 04.12.2007



Am Dienstag, dem 04.12.2007 um 19 Uhr, fand wieder unser allmonatlich veranstalteter Interreligiöser Runder Tisch in den Räumen der Familienföderation in Stuttgart, statt.
16 Teilnehmer/innen waren anwesend und wurden an adventlich geschmückten Tischen mit Kaffee, Tee und Gebäck versorgt. Die Leitung des Treffens hatte diesmal unser Friedensbotschafter Herr El Midani, ehemals Vorsitzender des Islamischen Bundes in Stuttgart. Er sprach - passend zur Adventszeit - über das Thema „Jesus im Koran“ und zeigte uns an Hand von Zitaten aus verschiedenen Suren die große Bedeutung dieses Propheten und Gesandten Gottes im Islam. Maria, der Mutter Jesu, ist im Koran eine eigene Sure gewidmet. Es wird über ihre Herkunft, über ihre besondere Mission - von Kind an im Tempel, über ihre Beziehung zu Elisabeth und schließlich über ihre vom Engel angekündigte Schwangerschaft und Geburt von Jesus berichtet. Sie hat Jesus unter einer Palme geboren. Das Kind Jesus vollbrachte schon bald nach seiner Geburt ungewöhnlich Wunder. Jesus wird im Koran nicht als „Sohn Gottes“ - denn Gott kann keinen Sohn zeugen! - sondern als „Sohn der Maria“ bezeichnet. Die Bezeichnung „Messias“ für Jesus findet man im arabischen Text des Koran auch, sie lässt sich da am ehesten mit „Heiland“ übersetzen. Wer Jesus und Maria als Gott verehrt (vergöttert), dem droht das Höllenfeuer. Joseph ist im Koran nicht als Verlobter von Maria erwähnt. Laut Koran hat Jesus das Kommen von Mohammed („einer der auf dem Kamel reitet“) vorausgesagt. Die Kreuzigung von Jesus wird als Täuschung erklärt (vielleicht war es Judas, der gekreuzigt wurde). Gott hat Jesus zu sich erhoben, Jesus ist der einzige Gesandte, der noch bei Gott lebt. Jesus wird in Gestalt eines Menschen wiederkommen, an seinen Augen wird man ihn erkennen, er wird das Schwein töten und das Kreuz vernichten. Er wird zusammen mit dem Mahdi den Antichristen als Lügner entlarven und besiegen, Christen und Muslime werden an ihn glauben, - eine friedliche Zeit, Glückseligkeit und die Vereinigung der drei abrahamitischen Religionen wird kommen...

Nach den außerordentlich interessanten Ausführungen über „Jesus im Koran“ hatten wir noch die Gelegenheit, das Zeugnis eines Gastes, eines Aleviten anatolischer (türkischer) Herkunft zu hören. Der Herr erklärte uns, dass „Anatolien“ übersetzt eigentlich „Mutter-voll-Land“ heißen müsste. Vor 10000 Jahren wurde Anatolien von Frauen regiert und hatte die älteste blühende Kultur - noch vor den Sumerern und Ägyptern..Die
Aleviten kommen ursprünglich aus Zentralasien. Ihre Religion ist verwandt mit dem Islam, Elemente aus dem Buddhismus, dem Schamanentum und dem Christentum sind mit eingeflossen. Zum Schluss sang und spielte uns unser Gast auf der Sas (einem der Mandoline ähnlichen anatolischen Saiteninstrument) ein Lied des türkischen Künstlers Wesel über „die Mutter Erde“ vor.


Etwa um 22:00 Uhr endete unser Treffen und wir legten als nächsten Termin für unseren Interreligiösen Runden Tisch den 8. Januar, im neuen Jahr 2008 fest. Wir haben vor, über das Thema „gemeinsame interreligiöse Aktivitäten im Jahr 2008“ zu sprechen.