U6 Ressort: UniStandard; "Wir sind eine große Weltfamilie"




 

"Wir sind eine große Weltfamilie"

"Der Standard" vom 11.12.2007 Seite: U6 Ressort: UniStandard

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Die großen Träume nicht zu scheuen - das verbindet die Mitglieder der internationalen Studentenorganisation CARP. Die Wertegemeinschaft eint Studierende unterschiedlicher Religionen und Kulturen. Das Zentrum am Wiener Rennweg dient als Treffpunkt und WG.

Tanja Traxler



Wien - "Wenn endlich endlich kommt. Dann spring noch einmal auf und reiß die alte schimpfliche Ordnung ein. Dann sei anders, damit die Welt sich verändert, damit sie die Richtung ändert, endlich. Dann tritt du sie an", schrieb Ingeborg Bachmann in ihrer Erzählung "Das Dreißigste Jahr", die 1961 erschienen ist. Seit jeher richtete sich der Auftrag vor allem an die junge Generation, die großen Träume nicht zu scheuen.

Keine Geringeren sind es, denen die Mitglieder der Studierendenorganisation CARP zustreben: eine Veränderung einzuleiten, die die Kulturen verbindet und zur Bildung eines ethischen Bewusstseins beiträgt - mit einem Wort: die Welt ein kleines Stück besser zu machen.

Gegründet wurde die "Collegiate Association for the Research of Principles" (CARP) 1974 in Korea, doch mittlerweile hat sie in über 70 Ländern Fuß gefasst. Erste Schritte, die sie in den 1970er-Jahren in Österreich setzte, haben sich wieder verlaufen, doch seit 2003 hat CARP Austria einen neuen Anlauf genommen und wächst seither beständig.

Zentrum der ideologischen Gemeinschaft in Österreich ist ein Haus am Wiener Rennweg, in dem CARP zwei 200-Quadratmeter-Wohnungen behaust. "Derzeit leben sieben Leute hier", erzählt Dominic Zöhrer, "doch wir waren auch schon einmal 13."

Alles gehört allen

Als Besonderheiten der CARP-WG beschreibt der Physikstudent, der vor drei Jahren eingezogen ist, dass der Tag gemeinsam, mit einem Gebet, oder einer Meditation gestartet und alles geteilt wird. "In unserem Kühlschrank hat nicht jeder sein eigenes Abteil, wir leben aus einem gemeinsamen Topf", erzählt Dominic mit einem Lächeln. Weitere Unterschiede zu anderen studentischen WGs wären, dass weder geraucht noch Alkohol getrunken wird. Außerdem sei es ein großer Wert, dem Partner treu zu sein.

Das Zentrum wird neben WG auch als Veranstaltungsort für kulturelle Aktivitäten oder Vorträge von Gastsprechern verwendet, in denen ethische Themen diskutiert werden, wie etwa die Bedeutung von Religion in Zeiten der Globalisierung.

"Es sind diese Dinge, auf die man im täglichen Leben den Fokus nicht gerichtet hat", meint John Brady. Gerade aus diesem Grund schätzt der Wirtschaftsstudent die Denkanstöße, die er durch die Organisation erfährt. "Für Leute, die verändern wollen, sind wir eine gute Plattform", meint er.

"Was mich an der Organisation begeistert, ist, dass ich so viele interessante Leute der verschiedensten Kulturen kennen lernen", erzählt die Anthropologie-Studentin Mira, was sich sehr gut mit ihrem Studium ergänze.

Denn die Organisation ist nicht nur kulturenumspannend, sondern auch interreligiös. "Was uns alle religiös verbindet, ist, dass wir an ein universelles Prinzip glauben", erklärt Dominic.

"Mein Bestreben ist es, in einer besseren Welt zu leben", sagt Yongil Fleisher, der kürzlich sein Wirtschaftsstudium abgeschlossen hat und im September aus den USA nach Wien gezogen ist. Als größte Chance, die CARP ihm biete, nennt er, "anderen zu helfen" - etwa mit Projekte mit wohltätigen Partnerorganisationen rund um den Globus.

Der aus Hawaii stammende Psychologiestudent Timothy Yasutake hebt einen ganz anderen Aspekt hervor: "Einer der Hauptgründe, warum ich bei CARP bin, ist, dass ich an mir selbst arbeiten will." Aus seiner Perspektive gesehen ist er nur ein kleines Zahnrad eines großen Ganzen. "Es ist schwierig für mich zu sagen: Ich will die Welt verändern - zuerst will ich mich selbst verändern."

Was am Ende des Prozesses stehen soll, beschreibt Dominic: "Versöhnung der Religionen und Kulturen und Wiedervereinigung von Spiritualität und Wissenschaft. Denn wir sind eine Weltfamilie."

der Standard Webtipp: www.worldcarp.at