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Wolfgang Schawaller erzählt
seine Erlebnisse in der Auslandsmission vor der Frankfurter Familie am
15. Februar 1980
Indien
Wie ihr sicherlich wisst, war ich letztes Jahr schon mal dagewesen. Ich
glaube, einige kennen
mich noch. Ich war 1979 dagewesen am Gottestag. Da war auch so eine Sache
wie jetzt gewesen -
noch schlimmer: da hieß es, ich sollte vor allen Geschwistern reden. Es
waren so ungefähr 80
Geschwister zu der Zeit dagewesen und es war unwahrscheinlich schwierig für
mich, weil wir in den
letzten fast 5 Jahren nur zu dritt oder zu viert oder fünft gewesen sind.
Meistens war es so gewesen,
dass man nur vor ein paar Leuten redet oder einen Vortrag gibt und man hat
in einer kleinen
Welt quasi gelebt in der Familie. Ich hatte mich (am Gottestag)
zurückgezogen und Rev. Vincenz
hatte gesprochen und hat die Briefe vorgelesen. Und plötzlich sagte er: na
ja, machen wir mal
Pause, lassen wir den Wolfgang Schawaller was erzählen. Ich fühlte mich da
so klein und da ging ich
dann vor - es fiel mir unwahrscheinlich schwer, weil ich einfach keine
Erfahrung gehabt habe, vor
so vielen Geschwistern zu reden, das hatte ich auch gar nicht vorgehabt. Ich
bin nach 6
Monaten (in der Vereinigungs Kirche) ja auch rausgegangen (in die
Auslandsmission nach Hongkong) und
habe keine Ahnung gehabt, wie es ist, vor vielen Leuten einen Vortrag zu
halten, Darum war das
so eine große Schwierigkeit für mich gewesen. Jetzt ist nur ein kleiner
Kreis da, darum hoffe
ich, dass es doch etwas besser wird.
Gerade habe ich mit Hedi Ziegler oben gesprochen, dass es einfach
unwahrscheinlich schwierig ist, die
5 Jahre, die wir jetzt durchgegangen sind, zu erzählen und was wirklich
vorgefallen ist, weil
meistens die Dinge, die wir erlebt haben, mehr „negative“ Erfahrungen waren.
Aber wie der wahre Vater
gesagt hat, dass negative Dinge einfach einem helfen, unsere Persönlichkeit
zu erweitern. Aber jetzt in Einzelheiten da hineinzugehen, was wirklich jetzt passiert ist mit den
Geschwistern, unter
uns 3 Missionaren oder mit Mitgliedern, die in die Familie kamen, geblieben
oder wieder
gegangen sind, ist es jetzt wirklich schwierig, in Details hineinzugehen. Es
waren viele äußere
Kämpfe, die wir Missionare durchgegangen sind, aber meist mehr innere
Kämpfe, viele Schwierigkeiten,
die jeder von uns durchgemacht hat. Und wie ich so jetzt hier vom World
Mission Department Office und
auch von Amerikanern erfahren habe, dass viele, viele Geschwister die
Familie verlassen haben and das
hat mich unwahrscheinlich geschockt. Es ging da draußen ab und, zu wirklich
nur ums Überleben -
einfach durchgehen, egal was kommt, einfach durchhalten. Besonders für mich
waren die ersten 5 Jahre
so gewesen und jetzt haben wir fast 5 Jahre abgeschlossen. Die ersten 3
Jahre waren wirklich Hölle
gewesen. Man spricht sehr leicht von Hölle und ich wusste nie, was Hölle so
ist, aber ich habe
wirklich kennen gelernt, was Hölle ist. Wir waren zu dritt und es ist
vorgekommen, dass ich wirklich
den Japaner oder die Amerikanerin gehasst habe and überhaupt keine Lust mehr
hatte, mit denen was
anzufangen. Aber da kam dann der Glaube, dass ich halt einfach weitergehen
muss, egal was auf mich
zukommt, dass ich einfach durchhalten muss. Viele Missionare haben das
einfach nicht durchgehalten.
Wen wir hören: die „Flasche“ ist rausgegangen, der hat Schwierigkeiten, ist
halt schwach gewesen -
das sollten wir nicht sagen, besonders bei den Auslands- missionaren, weil
viele unwahrscheinliche
Schwierigkeiten durchgegangen sind!
Wie gesagt: viele Missionare sind aus ihren Missionsländern gegangen and
irgendwie hoffe ich selbst,
dass sie alle wieder zurückkommen. Es waren wirklich gute Geschwister
gewesen und es tut
unwahrscheinlich weh weil ich trotzdem eine so tiefe Verbindung aufgebaut
habe, auch wenn so viele
Schwierigkeiten dagewesen sind. Ich habe festgestellt, dass durch die
Schwierigkeiten, die einfach
auf treten unter uns Geschwistern, dass die einfach binden. Zuerst magst du
denjenigen oder diejenige
nicht, dann auf einmal kommen Momente, in denen du auf einmal so viel
Einheit, so viel Liebe spürst
für den anderen. Es ist so, dass uns gerade unsere Schwierigkeiten geholfen
haben, so
eine Einheit zu finden und wenn du dann hörst, dass jemand rausgegangen ist
aus der Familie,
das tut so weh und deshalb hoffe ich selbst, dass alle diejenigen wieder
zurück kommen.
Es gibt zwei Arten von Geschwistern, die die Familie verlassen. Verlassen
kann man eigentlich
nicht sagen, weil jeder einfach dazu bestimmt ist, den Weg zu gehen, früher
oder
später muss ja jeder wiederhergestellt werden. Es gibt Geschwister, die ganz
weggehen, weil
sie einfach so fertig sind und nicht mehr zurück können. Die zweite Gruppe
besteht aus denen,
die sich einfach, erholen müssen von den aufgetretenen Schwierigkeiten - sie
sind, einfach nur
erholungsbedürftig. Mir selbst ging es ab und zu auch so, da musste ich
einfach irgendwohin
gehen, musste eine Tasse Kaffee trinken irgendwo, musste mal ins Kino gehen
um abzuschalten.
Der Druck war geistig ab und zu so schlimm gewesen, dass ich keine
Möglichkeit hatte, jemanden
anzureden. Ich erinnere mich an Zeiten in denen ich mit der Amerikanerin
zwei, drei Monate
nicht gesprochen hab'. Ich sah die Person jeden Tag aber sagte nur das
Nötigste und versuchte
überhaupt nicht, Kontakt aufzunehmen.
Die größte Schwierigkeit war die Einheit unter uns. Der wahre Vater schrieb
in einem Rundbrief vor 3
Jahren etwa, dass nur er weiß, wie die Missionare kämpfen und irgendwie
fühlte ich auch, dass
das keiner weiß. Als ich diese Sätze von Vater las, hat mir das so viel
Kraft gegeben und mir sind wirklich die Tränen gekommen. Da war wirklich jemand da, der mich
versteht, substantiell,
der weiß, durch was ich durchgehe. Es ist so schwierig, dass zu erzählen,
weil ihr es selbst
erfahren müsst. Vater hat ja diese Schwierigkeiten noch viel, viel, viel
schlimmer erfahren
und deshalb konnte er sagen, dass er weiß, welche Schwierigkeiten jeder
Einzelne von uns
durchgeht. Das hat mir dann so viel Kraft gegeben, dass da eine Person ist,
Vater, der uns
versteht.
Ja, die ersten drei Jahre waren wirklich schwer gewesen mit Einheit -
Japaner, Amerikaner,
Deutscher weil jeder die Einstellung hatte: den Weg, den ich hab, dass ist
der Weg. Jeder hat
darauf bestanden - so wie ich gehe, das was ich tu, wie ich handle, das ist
der richtige Weg
und da gab es natürlich immer Zusammenstöße. Da kann man überhaupt nicht in
Einzelheiten reingehen.
Ich müsste da auf die Persönlichkeit des Japaners und des Amerikaner
eingehen. Vielleicht kann ich
gerade mal sagen: der Asiate - keiner hier im Raum wo ich gerade spreche?
O.K....z.B. die Amerikaner sind immer sehr aktiv, die müssen was tun. Sara,
die Amerikanerin hat
immer gesagt - ihr kennt sie wahrscheinlich auch - ich muss was tun, selbst
wenn's verkehrt ist, ich
muss was tun! Ich muss 'rausgehen. Manchmal hat sie unwahrscheinliche Dinge
gemacht ... und er
Japaner dann nach seinem japanischen Konzept: erst wenn Einheit geschaffen
ist, dann gehe ich raus
und tu etwas.
Während Amerikaner denken: erst gehst du raus, tust etwas, dann machst du
Einheit. Zwei
verschiedene Ansichten und keiner hat nachgegeben. Für uns deutsche -
Deutschland ist auch
geographisch gesehen dazwischen - war es leicht, sich dem Amerikaner oder
dem Japaner
anzuschließen, aber man sah, wie da nie Einheit war und da hab' ich dann
dagesessen und.
gedacht: was machen die denn da? Wir deutsche Missionare selbst waren auch
sehr jung gewesen. Die
Japaner dagegen waren alle gesegnet und wir Deutschen waren gerade 6 Monate
oder ein Jahr dabei
gewesen - die waren schon 5 oder 6 Jahre in der Familie. Ich versuchte dann,
anzunehmen, denn selbst
wusste ich ja gar nicht, um was es ging. Das hat mich oft so weit gebracht,
dass ich sagte: so,
jetzt such ich meinen eigenen Weg! Der Japaner hat gesagt: erst Einheit
haben, dann können wir etwas
tun, aber jetzt war da keine Einheit da. Jedenfalls ist von seiner Seite aus
nicht sehr viel
Produktives herausgekommen. Er hat dann auch akzeptiert, dass Amerikaner
sehr aktiv sind - und
Amerikaner sind, unwahrscheinlich aktiv, haben sehr gute Ideen, meistens zu
viele Ideen und
dann ist es so, dass sie nicht alles ausführen können und unsere
Unterstützung brauchen. Zu
einer Zeit, in der viel Uneinigkeit mit der amerikanischen Schwester war -
wir konnten sie
einfach nicht unterstützen weil keine Herzensbeziehung da war, hatten wir
die erste Missionars
Konferenz in Kalkutta.
Ich sprach mit einem Amerikaner: how can I unite with your sister? (wie kann
ich mich
vereinigen mit deiner Schwester?) Da gab er mir einen Tipp: als der
Vietnamkrieg war, haben
sich die Amerikaner sehr hingebungsvoll eingesetzt und wollten etwas tun.
Das Land Amerika ging in
den Vietnamkrieg um den Kommunismus zu besiegen. Die Idee war dagewesen,
aber auf einmal war da
keine Unterstützung von der freien demokratischen Welt. Fast jeder
kritisierte jetzt Amerika. Genau
das war es gewesen, was auch wir erlebt hatten, denn die Amerikanerin Sara
hatte wirklich gute Ideen,
hat sehr viele Persönlichkeiten (VIP’s) angesprochen, interviewt und alles
Mögliche getan. Sie hatte
gute Ideen, aber viele Dinge konnte sie nicht alleine ausführen, sie
brauchte einfach unsere
Unterstützung.
Durch das Beispiel mit Amerika im Vietnamkrieg habe ich verstanden, dass wir
unserer
amerikanischen Schwester einfach nicht genügend Unterstützung gegeben
hatten. Heute ist das
auch so, wenn man z. B. die politische Lage betrachtet. Präsident Carter
möchte die olympischen
Spiele boykottieren und wirtschaftliche Sanktionen gegen die UDSSR
verhängen, aber
die restliche Welt ist nicht dabei.
Als ich das nach drei Jahren verstanden hatte, war auf einmal die Beziehung
ganz anders. Es
gab schon noch Schwierigkeiten, aber ich konnte sie irgendwie anders
bewältigen. Ich hatte
eine Gebetsbedingung und dachte so: Ich muss einfach die Amerikanerin
unterstützen,
egal, was sie da tut - schlecht oder gut, egal, ob sie mich anklagt und weil
ich
sie unterstützt habe, hatte sie mich auch akzeptiert und es war eine gute
Einheit da. Japaner und Deutsche haben gleiche Naturen, Charaktere. Unser Charakter ist
sehr auf
Gesetze und Ordnung aufgebaut, Japan auch. Auf dieser Ebene konnten wir
deshalb eine
gute Einheit schaffen. Am Anfang hatte ich daher eine gute Beziehung zu dem
Japaner
und die Amerikanerin war ausgeschlossen, weil durch ihr Handeln manchmal ein
wenig Chaos da
war. Darum dachte ich: vielleicht ist es besser, mit dem Japaner eine
Beziehung aufzubauen
und ich war auch ziemlich jung in der Familie, deshalb habe ich nicht so
gesehen, dass ich
mit allen beiden eine Einheit schaffen sollte.
Auch von den Prinzipien her gesehen war in unserer Missionar Trinity
Amerika in der
Adam-Position, Japan in der Eva-Position und Deutschland, in der
Luzifer-Position, der Fall ist mir
dadurch unwahrscheinlich bewusst geworden. Z.B. hat Luzifer immer eine
Beziehung mit Eva aufgebaut
und hat Adam ausgeschlossen. Ich hatte mit dem japanischen Bruder eine
Einheit gehabt, der Eva
repräsentierte. Da war der ganze Fall noch einmal dagewesen unter uns drei
Missionare.
Das fiel mir erst später auf und ich erkannte, dass Luzifer eigentlich für
beide
verantwortlich war: für Adam und Eva. Er hat aber seine Position verlassen
und sich
mit
Eva vereinigt und genau das ist mir auch passiert. Diese Einsicht kam mir
erst nach den
ersten drei Jahren nach der Missions-Konferenz in Kalkutta. Jeder Missionar
war zu dieser
Konferenz mit unwahrscheinlichen Schwierigkeiten, persönlichen
Schwierigkeiten gekommen.
Jeder von uns war down, das konnte man jedem der 30 anwesenden Missionare
ansehen.
In den ersten drei Jahren hatte ich manchmal das Gefühl, dass ich meine
eigene Hand nicht
vor dem Gesicht sehen kann, geistig, weil so viele Schwierigkeiten um mich
herum war, so
viel war los gewesen. Der wahre Vater sagte auch, dass die ersten 3 Jahre
ganz
schwierige Jahre sind, so was es auch wirklich gewesen und nach 3 Jahren
konnte ich auf
einmal wieder ein Licht am Ende des Tunnels sehen. Zu der Zeit kamen mir
diese Erleuchtung wie
das Beispiel mit dem Vietnamkrieg und mit der Position Deutschlands in der
Wiederherstellung.
Diese beiden Erkenntnisse haben mir unwahrscheinlich geholfen.
Die meisten Dinge bekommst da erst gesagt von Gott, wenn da so eine
Wiedergut- machungsperiode -
Zeit - Bedingung durchgehst und das war nach den 3 Jahren soweit gewesen.
Vielleicht hatten
andere Geschwister nicht dieses Erlebnis.
Mir ist noch aufgefallen, wie die ursprüngliche Sünde und die Kollektivsünde
wirken. Ich
repräsentierte Deutschland, deshalb war da ein schweres Packet auf mir
lastete, was Deutschland in
der Geschichte so an Schlechtem getan hatte, das Negative, das hing auf
meinen Schultern. Ich spreche ganz besonders den zweiten Weltkrieg an, den Hitler und mein
Land Deutschland startete.
Besonders das Strenge „sich an Gesetzte halten". Da kann man wirklich sagen:
Deutschland hat
unwahrscheinlich viel Sinn für Ordnung und die Gesetze. Auch Vater hat das
einmal gesagt. Keine
andere Nation hat diese Eigenschaft in der Weise wie Deutschland. Als meine
Eltern letztes Jahr in
Amerika waren, brachten sie die Erkenntnis mit, dass wir ja viel sauberer
seien als die Amerikaner.
Deutsche sind sehr sauber und ordnungsliebend. Aber wo es ab und zu mal
haperte, das war das
Herz der Deutschen Menschen.
Mein Herz wurde regelrecht geknackt, so wie man eine Nuss knackt, so wurde
mein Herz geknackt.
in dieser Mission. Ich habe Irmgard Ingverson schon erzählt, dass ich ein
interessantes Erlebnis
hatte
mit Friederike Schubert, das ist ihre geistige Tochter. Paul Werner hatte
uns Anfangs gesagt, weil er
die Verhältnisse in asiatischen Ländern von eigenen Reisen her kannte: wenn
ihr 'rausgeht,
greift ihr die Probleme von der Wurzel her an, d.h. ihr lehrt Prinzipien.
Mit der Einstellung
sind wir dann rausgegangen. Als ich nach Indien kam, da waren hunderte von
Bettlern. Mein
Gedanke war: ihr müsst Prinzipien hören, so ungefähr. Ich glaube, Schwestern
haben mehr
Mitgefühl, ein Mutterherz, das immer die Bereitschaft hat, etwas zu geben,
egal, was da ist.
Das ist wohl Mutters Herz. Wir Brüder haben wahrscheinlich nicht dieses
Herz. Friederike hat nun
den Bettlern immer etwas gegeben und ich habe nie etwas dazu gesagt. Einmal
sind wir im Zug
gefahren and da kamen auch einige Bettler, denen Friederike etwas gab. Ich
sagte: wieso tust
du das? Ich hab sie ein wenig kritisiert. In dem Augenblick hat sie geweint.
Das hat mich so
gerührt, so mitgenommen: da weinte eine Schwester weil ich sie angegriffen
habe - das hat mir so weh
getan. Ab diesem Zeitpunkt gab ich den Bettlern auch etwas. Es ist nicht
viel für unsere
Verhältnisse, ungefähr 10 Cent, kein Geld, aber für die ist das eine Menge
Geld. Sie können sich dann
etwas zu essen holen. Durch dieses Erlebnis wurde ich nachdenklich und
erkannte, dass wir Deutsche
oft sehrsehr hart sind. Rev. Paul Werner hat auch gesagt, dass das Herz der
deutschen sehr hart ist. Es ist
wirklich wahr, dass es oft sehr schwierig ist, Gottes Herz zu fühlen - ich
habe darin sehr große
Schwierigkeiten.
Meine erste Mission war in Hongkong, dann war ich in Japan und ein Jähr
später kam ich dann
nach Indien 1976. Ich war 4 Monate in Thailand - vorher sollte ich diese
Mission kriegen, zwei Monate
später bekam ich einen Brief von Paul, dass ich nach Indien gehen sollte,
weil der Manfred
Sorgenicht zurück nach Deutschland ging. Ich habe dann seine Mission in
Indien übernommen. Ich
wusste ganz genau, in Indien sind viele Schwierigkeiten, sehr viel Not und
Not. Aber was wirklich
dort
ist, das wusste ich nicht. Ich hatte das Gefühl, dass ich die ganze Welt lieben kann, wenn ich es
schaffe, diese Nation Indien
zu lieben: jeden - Schwarze oder jede Art von Hautfarbe, diese Offenbarung
hatte ich bekommen.
Ich kam nachts an am Flughafen. Überall sah ich so dunkle Gestalten, so
halbe Hemden hatten
sie an, dürre Menschen und Bettler draußen - nicht so viele im Flughafen,
aber draußen.
Bettler liefen da herum. Es war 2 Uhr nachts. Ich traute mich nicht
hinauszugehen
and schlief im Flughafengebäude und fest meinen Koffern an mich geschlungen.
Als um halb 7 Uhr die
Sonne aufging, nahm ich dann ein Taxi und fuhr zu unserem Kirchenzentrum.
Ich fuhr durch Bombay.
Bombay ist eine dreckige Stadt, einige Plätze sind sehr sauber, aber vor dem
Flughafen ist es sehr
dreckig. Als ich das sah, dachte ich: wenn ich nicht in der
Vereinigungskirche wäre, würde ich
wahrscheinlich sofort wieder zurückfliegen und diese Nation sofort wieder
verlassen. Aber ich
fühlte, dass ich durchhalten musste.
Auch fühlte ich Gottes Herz und seine Traurigkeit und deshalb entschied ich
mich in Indien zu bleiben.
Die ersten 4 Monate waren unwahrscheinlich schwer, weil einfach alles total
chaotisch ist dort.
Gerade das Gegenteil von unserer Ordnung in Deutschland. Totaler Chaos, das
könnt ihr euch nicht
vorstellen. Am Anfang war deswegen wenig Geben und Nehmen zwischen mir und
den Indern da. Nur
äußerliche Beziehung war da, ich habe sowieso keine Schwierigkeiten, mit
Leuten zu
sprechen.
Wirklich "geknackt" wurde ich als ich krank wurde. Da hab ich gelernt,
wirklich Menschen zu
lieben. Ich hatte eine Lungentuberkulose bekommen und war darum 7 Wochen in
einem Einzelzimmer auf
Quarantänestation - in unserem Zentrum, ich brauchte nicht ins Krankenhaus
zu gehen. Rev. Kwak hatte
Anweisung gegeben, dass ich nach Deutschland zurückgehen sollte. Da sah ich
irgendwie eine Chance.
Drei Jahre waren noch nicht vorbei and ich hatte so viele
Schwierigkeiten erlebt and dann wurde ich auch noch krank.
Da hatte ich also eine Möglichkeit, einen Ausweg aus meinen Schwierigkeiten:
Mann, wenn du jetzt nach Deutschland zurück gehst, dann hast da keine
Probleme mehr.
Auf der anderen Seite dachte ich daran, hier zu bleiben und die Mission
weiter zumachen.
Ich hatte diese beiden Möglichkeiten. Wenn ich jetzt nach Deutschland geht,
kannte keiner
etwas sagen, weil ich ja krank war. Aber innerlich wusste ich ganz genau,
dass ich das nicht
tun konnte. Ich habe darüber gebetet mit Tränen and unseren himmlischen
Vater gefragt, was
Er gerne möchte und da erhielt ich die Antwort, dass Gott sein OK gab wenn
ich hier bleiben
wollte. Ich rief dann Rev. Kwak an und sprach mit ihm. Er erlaubte mir, hier
in Indien weiter zu
bleiben.
Ich war immer alleine zu der Zeit und habe über alles Mögliche nachgedacht.
Meistens bin
ich nachts rausgegangen weil meine Lungen-Tuberkulöses noch ansteckend war
und ich darum niemandem
begegnen durfte.
Wenn mich jemand in einen Raum sperrt, dann werde ich verrückt. Ich hatte
großes Verlangen,
hinauszugehen, Menschen zu sehen, Natur und Autos – einfach Leben. Nachts
bin ich herumgegangen -
jetzt sah ich das Leben der vielen zahllosen Bettler nachts - sonst kannte
nur das Leben, dass
sie tagsüber führten. Meistens aßen und schliefen sie nur unter einem
Torbogen oder auf dem
Gehsteig. Ich sah ihr wahres Leben, da kamen mir so die Tränen und mir war
so bewusst, dass ich
nicht mehr zurück konnte nach mein Heimatland, Deutschland.
Die Krankheit, die ich hatte, geht ja sowieso bald vorbei, dachte ich mir.
Ich hatte während meiner Krankheit fast 20 Kilo abgenommen.
Ich muss einfach hier bleiben und etwas für diese Nation Indien tun, weil
einfach zu
viel
Leiden da ist.
Das war das größte und tiefste Erlebnis und seitdem habe ich meine Mission —
ein Jahr nachdem
ich nach Indien kam - vom Herzen her akzeptiert. Jetzt konnte ich die
Menschen wirklich
lieben. Ich hatte wirklich eine tiefe Beziehung zu Indien gefunden.
Es wäre noch so viel mehr zu erzählen, aber es ist so schwierig, auf alles
einzugehen, durch
was ich durchgegangen bin.
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